BACKSTAGE






Als Klaus Mann nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte, seinen Roman „Mephisto. Roman einer Karriere“ in Deutschland zu veröffentlichen, wurde ihm entgegengehalten, dass das Buch als persönlicher Angriff aufgefasst werden könne. Manns Roman erzählt die Geschichte vom moralischen Verfall des fiktiven Schauspielers Hendrik Höfgen, der sich auf Kompromisse mit dem nationalsozialistischen Regime einlässt. Tatsächlich zeichnete Mann in „Mephisto“ ein psychologisches Porträt seines ehemaligen Schwagers, des populären deutschen Schauspielers Gustaf Gründgens, der sich entschied, Deutschland nicht zu verlassen und seine Arbeit an deutschen Theatern auch unter dem Nationalsozialismus fortzusetzen.

Inspiriert von der Figur Höfgen/Gründgens schrieb Arsenij Farjatjew nach dem Auftrag von DO_STAGE ein Stück über einen Künstler in einer politisch unmöglichen Situation – und über eine gesellschaftliche Katastrophe, gespiegelt in der Psyche eines Einzelnen, dessen einziger Richter sein Publikum ist.

Im Fokus von Backstage steht weniger der persönliche Kompromiss des Künstlers mit den Umständen als vielmehr die Frage nach der Natur seiner Existenz in Zeiten einer gesellschaftlichen Katastrophe. Ist ein Künstler verpflichtet, sich zu der Realität zu äußern, in der er lebt. Und wo läuft er Gefahr, sich selbst zu verlieren – indem er schweigt und sich anpasst oder umgekehrt, indem er zum Sprachrohr einer bestimmten Position wird?

Backstage fällt kein eindeutiges moralisches Urteil über seine Hauptfigur. Sein Konflikt wird zum Ausgangspunkt für ein Gespräch über die Grenzen von Freiheit und Verantwortung des Künstlers: Verlangt Kunst den radikalen Gestus und das persönliche Opfer? Kann eine vorsichtige Äußerung etwas verändern? Oder wird Kunst unweigerlich Teil ihrer Zeit? Es ist ein Gespräch über den Moment, in dem ein Künstler,  im Versuch, sich selbst zu bewahren oder eine bestimmte Position einzunehmen, Gefahr läuft, das Wichtigste zu verlieren – die Fähigkeit, Künstler zu bleiben.



VORSTELLUNGEN


FRÜHLING 2027 – PREMIERE BERLIN

2027 - 2028 TBA

BESETZUNG


Anatoly Vaysman
der Schauspieler

Alexandr Kuznetsov
der Regieassistent


REGIETEAM

Philipp Avdeev
Regie

Arseny Fariatyev
Dramaturgie

Vanya Bowden
Bühne

Louis Lebeau
Musik



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